Donnerstag, 1. Februar 2018

So gefiel mir "Liverpool Street" von Anne C. Voorhoeve


5. gelesenes Buch des Jahres 2018

Liverpool Street von Anne C. Voorhoeve



Klappentext (Buchrücken): 

"Wenn Mamu mich alleine nach England schicken wollte, würde ich abhauen und mich so lange verstecken, bis der Zug ohne mich abgefahren war! Um nichts in der Welt würde ich ohne meine Eltern gehen ..."

" Winter 1939, Bahnhof Liverpool Street, London. Die elfjährige Ziska Mangold aus Berlin steigt aus dem Zug. Es ist nicht irgendein Zug, der sie hierhergebracht hat, sondern einer der Kindertransporte, die fast zehntausend jüdische Jungen und Mädchen aus Nazi-Deutschland befreiten. Ziska hat ein klares Ziel vor Augen: So schnell wie möglich will sie ihre Eltern und ihre beste Freundin Bekka nachholen. Doch viel Zeit bleibt ihr nicht, schon wirft ein mörderischer Krieg seine Schatten voraus. Auf Ziska warten eine fremde Familie, eine fremde Sprache, Heimweh und Ungewissheit - aber auch das Abenteuer ihres Lebens und sieben Jahre später eine schwere Entscheidung."


Cover, Aufmachung, Ausstattung: 

Ich habe das Taschenbuch mit 568 Seiten aus dem Ravensburger Verlag gelesen. Das Cover zeigt das Foto eines Bahnsteigs in schwarzweiß, auf einer Bank sitzt etwas verloren ein Mädchen mit einem kleinen Koffer. Das Mädchen ist im Gegensatz zum Bahnsteig in Farbe abgebildet. Ich finde das Cover sehr gut gewählt - aus dem Blick des Mädchens spricht Ungewissheit, Ängstlichkeit, aber auch Hoffnung.


Story: 

Das Buch befand sich zusammen mit ca. 100 anderen Büchern in einem großen Sperrmüllkarton in einem Nachbardorf. Als wir dort vorbeifuhren, waren die Leute gerade draußen und freuten sich, als wir fragten, ob wir die Bücher mitnehmen dürften. Sonst wäre ich auf "Liverpool Street" wohl nicht aufmerksam geworden.

Zum Glück bin ich beim Aussortieren von Büchern nicht mehr ganz so rigoros wie noch vor ein paar Jahren - gleich auf der allerersten Seite befindet sich in einem Satz statt des dort hingehörenden Namens "Bekka" ein Leerschritt. Ich mag es einfach nicht gern, wenn Bücher nicht sorgfältig geschrieben und hergestellt sind. In diesem Fall war es mir aber dann doch wichtiger, die Geschichte zu lesen.

Für mich war es sehr interessant, dass in diesem Jugendbuch auf anschauliche Art und Weise verschiedene Strömungen des Judentums beleuchtet wurden. Auch erfährt man viel über jüdische Kultur, Traditionen und Rituale.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass die Ich-Erzählerin sowohl mit ihrer "richtigen" als auch mit ihrer Pflegefamilie so ihre Probleme hat und die Beziehungen untereinander ganz und gar nicht idealisiert dargestellt werden.

Obwohl das Buch 568 Seiten hat, fand ich es überhaupt nicht langatmig und habe es mit Spannung und Gewinn gelesen. Kriegsgreuel kommen natürlich vor, werden aber sehr schonend geschildert. Z.B. sieht Ziska einen Film über die Befreiung des KZ Bergen-Belsen, es wird aber nicht erläutert, was genau in diesem Film nun gezeigt wurde. Das Buch wurde im Jahr 2007 mit dem "Buxtehuder Bullen" als bestes Jugendbuch des Jahres ausgezeichnet. Für Jugendliche ist es wohl erst geeignet, wenn die Themen "Zweiter Weltkrieg" und "Judenverfolgung" auch im Schulunterricht durchgenommen wurden, ansonsten lässt das Buch zu viele Fragen offen.

Der Erzählstil hat mir so gut gefallen, dass ich mir gleich noch ein Buch von Frau Voorhoeve, Kascha Nord-Nordost, bestellt habe. Geliebäugelt habe ich auch schon mit Nanking Road, wobei es sich um eine andere Variante von "Liverpool Street" handelt.


Bewertung: 

Liverpool Street von Anne C. Voorhoeve ist ein wirklich empfehlenswertes Jugendbuch, das einem das Judentum verpackt in eine spannende Geschichte näherbringt.

Ich gebe vier von fünf Sternen.

✮✮✮✮✰


Kommentare:

  1. Du liest immer so "andere" Bücher, finde ich stets interessant.

    Nana

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke schön, das freut mich! Für dieses Jahr habe ich noch einige interessante Bücher im Auge...

      Liebe Grüße

      von Birgit

      Löschen
  2. Meine Tochter hatte sich Nanking Road und Liverpool Street vor etwa einem Jahr aus der Bücherei geholt und ich habe mitgelesen (eben falls Fragen und Klärungsbedarf entstehen - dass muss ja nicht alles die Schule leisten). Wir fanden beide Bücher sehr gut, spannend, informativ und haben daduch auch viel über diese Zeit geredet. Vor allem die Doppelperspektive - Nanking Road erzählt von derselben Familie, deren Schicksal durch eine winzige Entscheidung einen ganz anderen Verlauf nimmt - fanden wir sehr anschaulich.
    Herzliche Grüße,
    Malou

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das finde ich super, dass Du die Bücher zusammen mit Deiner Tochter gelesen hast. Ich denke, ich werde "Nanking Road" auch in diesem Jahr noch lesen.

      Liebe Grüße

      von Birgit

      Löschen
  3. Was Du alle liest, ich schaffe momentan abends 5 Seiten und den
    nächsten Tag weiß ich nicht mehr was ich gelesen habe.
    Einen lieben Wochenendgruß
    Birgit

    AntwortenLöschen